Gutes Hören bedeutet Lebensfreude

Marcus Schwers
Nach meinem Unterricht in der Krankenpflegeschule Borken- Bocholt wurde ich neulich von einer jungen Schülerin gefragt: „Wie bekomme ich eigentlich meinen Vater dazu, ein Hörgerät zu tragen? Er möchte mit mir nicht darüber sprechen, aber für die ganze Familie ist es ein wichtiges Thema.“ Da ist guter Rat schwer. Denn das Hören wird häufig nicht von heute auf morgen schlechter, es ist ein schleichender Prozess, der deshalb von den meisten Menschen gar nicht bemerkt wird. Dazu kommt, dass die Hörminderung zumeist nur die hohen Töne betrifft, sodass der Betroffene selber annimmt gut zu hören, weil die tiefen Töne noch so gut wahrgenommen werden. Aber die hohen Töne sind letztendlich für ein gutes Sprachverstehen das A und O.

Ein großer Teil der menschlichen Kommunikation, die räumliche Orientierung, die Umweltwahrnehmung und eine große Portion Lebensfreude hängen von einem funktionierenden Gehör ab. Wenn das Hörvermögen langsam nachlässt, kann es in Gesprächen zu Missverständnissen kommen. Auch für die Angehörigen ist diese Situation nicht leicht. Sie müssen vieles wiederholen oder fühlen sich durch laute Fernseher gestört. Besonders tragisch ist es, wenn Menschen sich mehr und mehr zurückziehen, weil sie einfach Angst haben, in Gesellschaft falsch zu antworten. Hörgeräte von heute sind klein und unauffällig, arbeiten automatisch, haben einen sehr natürlichen Klang ohne störende Nebengeräusche und sind sehr einfach zu handhaben. Sie werden mit wachsendem Selbstverständnis und Überzeugung getragen. Und das Wichtigste: Man ist wieder aktiv mitten im Leben. Was ich der jungen Schülerin geantwortet habe? Jeder muss die Entscheidung für ein Hörgerät selber treffen, man darf den Angehörigen nicht dazu überreden. Wer aber einmal Hörgeräte ausprobiert hat und diesen großartigen „Aha“-Effekt selber bemerkt, der weiß wie schön und lohnenswert ein Hörgerät ist.

Zur Person: Marcus Schwers, Jg. 1974, geboren in Borken, gründete 2004 das Fachgeschäft »Hörsysteme Schwers« in der Sternstraße in Borken. Nachdem er zunächst eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter erfolgreich absolviert hatte, legte er an der Abendschule erfolgreich das Fachabitur ab. Inspiriert durch die menschennahe Tätigkeit während seines Zivildienstes in einer Einrichtung für geistig- und körperlich Behinderte, entschloss sich Schwers, einen neuen Berufsweg einzuschlagen, und er begann mit der Ausbildung zum Hörgeräteakustiker. 2003 legte er in Lübeck erfolgreich die Prüfung zum Hörgeräteakustik-Meister ab. Seit 1996 beschäftigt sich Marcus Schwers mit der Psychoakustik und seit 2000 intensiv mit dem Tinnitus-Syndrom. Seit 2007 unterrichtet er die angehenden Krankenschwestern und -pfleger in der Krankenpflegeschule Borken- Bocholt im Umgang mit zeitgemäßen Hörsystemen. In Kooperation mit der Volkshochschule Borken leitete er viele Jahre einen Erfahrungsaustausch für von Tinnitus betroffene Personen. Ehrenamtlich unterstütze er die Bundesinnung für Hörgeräteakustiker KdÖR mit der Durchführung von Betriebsbegehungen sowie den Meisterprüfungsausschuss Rheinhessen- Mainz bei der Durchführung der Meisterprüfungen im Hörgeräteakustik- Handwerk.


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